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Presseecho
Ausgabe: HAZ  Datum:29.07.2010

Die Unzufriedenen werden selbst aktiv

 

Der Bürgerverein Hemmingen feiert am Sonntag sein 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt

 

Vor 25 Jahren hatten zahlreiche Hemminger genug: Weil sie sich von den Entscheidungsträgern in der damaligen Gemeinde schlecht informiert und ausgegrenzt fühl­ten, gründeten 15 Unzufriedene den Bürgerverein. Hemmingen-Westerfeld. Am Sonntag wird das mit einem Festakt gefeiert.

 

VON STEFAN VOGT

 

HEMMINGEN. Das Jahr 1985 war für Hemmingen kein gutes. Der damalige Gemeindedirektor Jürgen Gertz und die Politiker im Rat lagen derart über Kreuz, dass keine sachgerechte und ergebnisorientierte Politik möglich war. „Es ist nichts gelaufen", erinnert sich Gründungsmitglied Ingeborg Jüchter, die heutige stellvertreten­de Vorsitzende. „Viele Bürger waren deshalb sehr verschnupft." Wie sie selbst. Als Mitglied des Elternrats des Kindergartens an der Berliner Straße musste sie täglich erleben, wie der Durchgangsverkehr direkt vor dem Gebäude durch die Gemeinde rauschte. Versuche, das zu ändern, seien an der Situation im Rathaus gescheitert. „Das war ein Aufhänger, selbst aktiv zu werden", sagt Jüchter.

Gründungsvorsitzender war am 5. Juli der Ratsherr Günter Harder. Der Verein solle ein Bindeglied sein und die Belange der Bürger vor den Institutionen vertreten, sagte er in der Versammlung. Bessere Informationen sollten die Hemminger in die Lage versetzen, sich von Anfang an an den Plänen der Gemeinde zu beteiligen. Angetrieben von Harders Nachfolger Joachim Wilkens entwickelte sich eine „Hemminger Apo", die hartnäckig ihre Ziele verfolgte.

Ohne Westerfeld im Vereinsnamen setzte der Bürgerverein seine Anliegen in der gesamten Kommune durch. Er informierte über den Elektrosmog des NDR-Sendemasten und erreichte, dass dessen Leistung gesenkt wurde. Auf der langen Erfolgsliste steht der Erhalt der Bücherei auf dem Rathausplatz, deren Existenz 1988 stark gefährdet war. Bei der Umgestaltung im Alten Dorf war der Verein ebenfalls von Anfang an dabei. Mit der Broschüre „Der rote Faden" hat er zudem einen umfassenden und informativen Führer durch die Stadt vorgelegt.

In zahllosen Vorträgen, Fahrten und Diskussionsveranstaltungen sieht es der Bürgerverein bis heute als seine Aufgabe, die Hemminger mit für sie wichtigen Informationen zu versorgen, etwa über den Hochwasserschutz. Projekte förderte er mit Spenden. „Wir haben Geld an der richtigen Stelle eingesetzt", betont Jüchter. Nicht zuletzt sei daraus in Vorstandsgesprächen der Gedanke entstanden, eine Bürgerstiftung zu gründen, die diesen Part besser und umfangreicher übernehmen könne.

Die Arbeit des Bürgervereins habe sich verändert, sagt dessen Vorsitzende Hannelore Hapke. Die Stadtverwaltung und der Rat seien heute wesentlich bürgerorientierter, Gremien wie der Präventionsrat oder der Seniorenbeirat hätten Themenfelder übernommen. „Das gab es alles damals nicht", betont sie. Mittlerweile hat der Verein 139 Mitglieder, die „ein rein bürgerschaftliches Engagement betreiben", wie Hapke betont. Zufrieden kann auch Ingeborg Jüchter sein: Auf der Berliner Straße ist heute Tempo 30 das Limit.

Gründung: Günter Harder (links)
bekommt von Ortwin Klußmann
vom Bürgerverein Laatzen einen Ahorn geschenkt.

  

 
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